Leipzig: Gentrifizierung (ehem. "Windmühle vs. Abschwiff")

  • es wird keine miete einfach so von 5 auf 10 euro verdoppelt. wer in einer sanierten wohnung lebt, wird kaum mal eine mieterhöhung bekommen. inflationsbereinigt sinkt die miete damit sogar.
    es gibt daher auch keine verdrängung, bei der die leute, die keine 5 euro pro quadratmeter zahlen können oder wollen an den stadtrand oder in "problemviertel" getrieben werden. sonst müssten diese gebiete ja einwohnerzuwächse verzeichnen. das gegenteil ist der fall.


    darum nehme ich es den leuten aus der windmühlenstraße nicht ab, dass es ihnen tatsächlich um günstigen wohnraum oder sozial durchmischte stadtviertel geht. die könnten doch locker in grünau oder volkmarsdorf weiter günstig wohnen und diese stadtteile sozial durchmischen. aber so weit reicht deren sozialromantik-attitüde offenbar nicht.
    bei anderen auch nicht, deshalb ziehen sie lieber in attraktivere gegenden. darum steigen dort bei neuvermietungen die preise. deren anstieg wird umso moderater, je mehr neue wohnungen durch sanierung oder neubau die steigende nachfrage abfangen und je großflächiger die guten wohnlagen werden. genau das erleben wir derzeit in plagwitz oder reudnitz. und auch in der windmühlenstraße.


    wie cowboy bereits sinngemäß anmerkte: nicht die von "gentrifikation betroffenen" viertel sind das problem, sondern die, in denen nüscht passiert. oder anders ausgedrückt: miete und mieter hin oder her. gute quartiere sind die, die keine quartiermanager brauchen.

  • Ich versuche hier mal auf der sachlichen Ebene zu bleiben und mich nicht an der Beschimpfung und Herabwürdigung von Menschen, deren "Attitüden" ich gar nicht kenne, zu beteiligen.


    inflationsbereinigt sinkt die miete damit sogar.


    Davon hat bloß kaum eine_r etwas, wenn nicht gleichzeitig auch die Löhne steigen. 2011 lagen die Nominallöhne den vorläufigen Angaben des Statistische Bundesamt in Wiesbaden zufolge zwar im Schnitt um 3,3 Prozent höher als 2010, doch stiegen die Verbraucherpreise im gleichen Zeitraum um 2,3 Prozent. Damit stiegen die Reallöhne 2011 lediglich um 1,0 Prozent. Und das sind Durchschnittszahlen für das ganze Land, in den unteren Einkommensgruppen und im Osten allgemein sinken die Reallöhne zumeist.



    es gibt daher auch keine verdrängung, bei der die leute, die keine 5 euro pro quadratmeter zahlen können oder wollen an den stadtrand oder in "problemviertel" getrieben werden.


    Wer Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II („Hartz IV“) bezieht und das waren zum Jahresende 2010 in Leipzig immerhin 77.648 Menschen und damit fast jeder fünfte Einwohner unter 65 Jahren (19,1 %) und nahezu jedes dritte Kind unter 15 Jahren (30,1 %), für den bedeutet eine Mieterhöhung von etwa 4,00 Euro auf 4,50 oder gar 5,00 Euro mittelfristig einen Brief des Jobcenters mit der Aufforderung der Kostensenkung bzw. der Aufforderung eines Umzuges in eine kostengüstigere Wohnung. Die magische Grenze liegt seit Juni 2011 bei 4,22 Euro. Derzeit werden weiterhin Mietsenkungsaufforderungen vom Jobcenter verschickt trotz einer zumindest umstrittenen Rechtslage nach der Forderung des Bundessozialgerichts nach einer breiten Datenbasis als Grundlage für die Ermittlung der Kosten der Unterkunft und einem Beschluss des Sozialgerichts Leipzig in einem einstweiligen Rechtsschutzverfahren (S 25 AS 641/12 ER) vom 8. März 2012, in dem festgestellt wurde, dass "die seitens des Antraggegners (Jobcenter) angewandte Richtlinie den Anforderungen an ein schlüssiges Konzept im Sinne der aktuellen BSG-Rechtsprechung nicht entspricht.“


    Ein Antrag der Fraktion DIE LINKE im Leipziger Stadtrat, die Kriterien der Angemessenheit für die Kosten der Unterkunft mittels eines schlüssigen Konzeptes neu zu erstellen, fiel in der Ratsversammlung am letzten Mittwoch auch aufgrund der Unfähigkeit, die eigenen Leute alle zur Abstimmung zu bewegen, durch. http://notes.leipzig.de/appl/l…5929B051C125798A002B6FD2/
    Damit hat sich die Position der Stadtverwaltung, die diesen Antrag ablehnt, durchgesetzt. In diesem Jahr steht neben der jährlichen Auswertung der tatsächlichen Unterkunftskosten von Leistungsempfängern nach dem SGB II sowohl eine Neuauflage des Mietspiegels als auch der Betriebskostenbroschüre an. Die Höhe der Angemessenheit der Grundmiete wird zur Jahresmitte 2012 an Hand der dann vorliegenden Datenlage überprüft und ggf. angepasst. Das gilt gleichermaßen für die Nebenkosten.
    http://notes.leipzig.de/appl/laura/wp5/kais02.nsf/docid/E1C56364C6DCAAEDC12579C800393748/$FILE/V-a-258-vsp.pdf


    Wir können gespannt sein, ob es im Herbst zu einer Erhöhung der KdU kommt und wie hoch diese ausfällt. Bis dahin bekommen noch einige Menschen mehr Post vom Jobcenter.



    sonst müssten diese gebiete ja einwohnerzuwächse verzeichnen. das gegenteil ist der fall.


    Die Einwohner_innenzahlen im Stadtbezirk West (im wesentlichen Grünau) sinken aufgrund des negativen natürlichen Bevölkerungssaldos (Geburten/Sterbefälle). Der Wanderungssaldo war bereits 2010 erstmals wieder positiv, auch wenn es nur 34 mehr Zuzüge als Wegzüge gab. Seit 2001 gibt es einen kontinuierlich steigenden Wanderungssaldo von - 2.616 auf - 1.429 (2003), -880 (2004), - 572 (2007) und - 296 (2009). Der Wanderungssaldo in Paunsdorf war 2010 ausgeglichen (-9).


    Die intensive Debatte in Leipzig über Gentrifizierung und Segregation hat Ende 2011 eingesetzt. Bis die derzeitige Entwicklung statistisch durchschlagen wird - Mieterhöhung oder notwendiger Umzug, Brief vom Jobcenter, Einspruch, Ablehnung, Wohnungssuche, Umzug, Ummeldung, Erfassung durch die Statistik, Veröffentlichung der Daten - haben wir Mitte 2013 oder später. Aber frage mal im Jobcenter oder bei den Sozialberatungen, wie die gerade einsetzende Entwicklung aussieht.


    Aber das paßt gut zur allgemeinen Situation. Es gibt in Leipzig keine Gentrifizierung, also müssen auch keine entsprechenden Untersuchungen angestellt und aktuelle Zahlen ermittelt werden. Und weil keine aktuellen Untersuchungen und Zahlen vorliegen, die Verdrängungen belegen können, müssen wir auch nicht über Gentrifizierung reden. Wenn doch, dann wird von der Stadtverwaltung oder der LVZ mit Zahlen operiert, die zwar mit Verdrängungsprozessen aus einzelnen Stadtteilen überhaupt nicht zu tun haben und darüberhinaus über ein Jahr alt sind, aber die dann wiederum belegen können, dass es keine Gentrifizierung gibt und das wir daher keine genaueren Untersuchungen brauchen ... siehe oben.



    darum nehme ich es den leuten aus der windmühlenstraße nicht ab, dass es ihnen tatsächlich um günstigen wohnraum oder sozial durchmischte stadtviertel geht. die könnten doch locker in grünau oder volkmarsdorf weiter günstig wohnen und diese stadtteile sozial durchmischen. aber so weit reicht deren sozialromantik-attitüde offenbar nicht.


    Spätestens hier wäre ich gerne ebenso unsachlich geworden. Aber stattdessen weise ich lediglich darauf hin, dass die Bewohner_innen der Windmühlenstraße normale Menschen und Bürger_innen der Stadt Leipzig sind mit normalen Arbeitsstellen vielleicht gleich in der Nachbarschaft, mit Kindern, die um die Ecke in den Kindergarten oder die Schule gehen, mit Freunden und Verwandten, die in der Nachbarschaft wohnen etc. Sie sind keine Sozialarbeiterinnen oder "Sozialdurchmischer", was auch immer das sein soll.


    Im Übrigen ist genau diese Aufforderung, "in grünau oder volkmarsdorf weiter günstig (zu) wohnen und diese stadtteile sozial (zu) durchmischen", die Verdrängung, die es in Leipzig nicht geben soll.

  • Die Bewegung "Nach dem Studium aus der Südvorstadt arbeitslos nach Grünau" kenne ich aus dem Bekanntenkreis. Die gibt es ganz klar.


    An der LWB würde mich nicht ärgern, wenn sie Toplagen zu Toperlösen abstößt. An der LWB ärgert mich, dass sie Toplagen zu früh und viel zu billig abstößt, Brühl wie Windmühlenstraße. Sie überlässt die Rendite den Investoren und Spekulanten und fordert im Gegenzug vom "kleinen" Mieter Quadratmeterpreise, die in aller Regel über dem liegt, was die freie Immobilienwirtschaft verlangt.


    Z. B. 9,07 Euro kalt in lärmträchtiger Lage Karl-Liebknecht-Straße 109, attraktionsloser Neubau. Das ist konkurrenzlos teuer.


    Vgl.:


    http://www.immobilienscout24.de/expose/64292461
    http://www.immobilienscout24.de/expose/64368791
    http://www.immobilienscout24.de/expose/65044739
    http://www.immobilienscout24.de/expose/40526834
    http://www.immobilienscout24.de/expose/65006739
    http://www.immobilienscout24.de/expose/62493815
    http://www.immobilienscout24.de/expose/64696310


    Die Frage ist doch: Wofür braucht Leipzig eigentlich eine solche LWB?

  • ^ Je kleiner die Wohnung, desto teurer ist sie. Das ist doch nun wahrlich kein Geheimnis mehr. Besagte Wohnung kostet bei einer Größe von 25 Quadratmetern 285 Euro warm. Was soll die Aufregung? Ein Student zahlt in einer 4er-WG auch locker 250 Euro. Dabei steht ihm zwar nicht weniger Wohnraum zur Verfügung, aber er muss Kompromisse mit den anderen 3 Bewohnern eingehen, sich um Abwasch und Kloputzen streiten etc. In der LWB-Wohnung macht jener hinter sich die Tür zu und hat seine Ruhe. Glaubst du wirklich, dass jemand mitten im angesagten Kiez von Leipzig 'ne Wohnung für 130 Euro warm bekommt?


    Die gegenwärtige Gentrifizierungsdebatte hier und woanders mal kurz zusammengefasst, wie sie sie sich mir darstellt:


    • Anders als bei der Einführung von Hartz IV 2004 melden sich wirklich Betroffene nicht zu Wort.
    • Die, die sich zu Wort melden, haben den Veränderungsprozess in den städtischen Quartieren ins Rollen gebracht und wollen jetzt Millieuschutz und/oder haben allgemein ein Problem damit, dass andere mit Immobilien Geld verdienen.
    • Die Bestandsmieten sind bislang nicht oder nur sehr marginal gestiegen. Eher gestiegen sind die Nebenkosten. Aber das ist nicht das Problem der sog. Gentrifizierung, ebenso wenig, dass der KdU-Satz in Leipzig bei 4,22 Euro liegt.
  • In den allermeisten Städten der Bundesrepublik leben diejenigen mit weniger Einkommen in schlechter sanierten Wohnungen/Häusern/Vierteln und etwas abgelegener. Wenn in Universitätsstädten eine noch so schlecht sanierte, geradezu hässliche Wohnung zur Neuvermietung ansteht, gibt es einen Menschenstau auf der Treppe (in die Wohnung passen die gar nicht alle rein). Allein die hohe Nachfrage führt zu hohen Mieten.
    In Leipzig konnte bisher jeder HarzIV-Empfänger eine neu und teuer sanierte Altbauwohnung beziehen. Er traf dabei noch nicht einmal andere Mietinteressenten auf der Treppe. Dies scheint sich nun zu ändern, und schon ist das Geschrei goß. Dabei werden sich "nur" bestimmte Viertel/einzelne Straßen herausbilden, in denen man als Student oder HarzIVer keine Chance mehr haben wird, in den anderen Vierteln ist man nach wie vor mit der Vermietungs-Mietze allein in der Wohnung.

  • Dies scheint sich nun zu ändern, und schon ist das Geschrei goß.


    Wie kann sich das denn jetzt ändern, bei vorgeblich 30.000 leer stehenden Wohnungen? Stimmt die Zahl, mit der die Verwaltungen gebetmühlenartig argumentiert, womöglich gar nicht? Handelt es sich gar um eine strategische Zuspitzung, etwa um Fördergelder zu akquirieren oder Unfähigkeiten zu kaschieren?


    Wie hoch ist die Zahl der vermietbaren leer stehenden Wohnungen wirklich? Diese Frage kann niemand aufrichtig beantworten. Ich bin bei meinen aktuellen Besichtigungstouren in Wohnungen geladen worden, in denen der Schutt auf dem Boden lag, die Wände aufgerissen waren und der Makler erstaunt kuckte. Klar, eine leer stehende Wohnung, aber keine vermietbare.

  • Ich finde, Preisvergleiche in den Immo-Portalen herauszusuchen und diese dann auf den KdU-Satz herunterzubrechen als Argument für einsetzende Gentrifizierung wenig aussagekräftig. Die Immo-Portale spiegeln 1. nicht den Gesamtmarkt wider und ob eine Wohnung in den letzten Jahren nun von 4,80 auf 5,11 Euro oder von 5,50 auf 11 Euro gestiegen ist; Sie lagen und liegen weit über dem KdU-Satz von 4,22 Euro. Mal abgesehen davon: Wäre denn alles wieder in Butter, wenn man den Satz deutlich anheben würde? Sicher nicht, denn um die Klientel der ALG-II-Empfängern geht es in der Debatte auch nicht primär.

    Soziale Unterschiede in den Stadtteilen gab es schon immer. Auch im real existierenden Sozialismus lebten in Gohlis-Süd oder im Bachstraßenviertel mehr Akademiker und Menschen mit höherem Einkommen als in Arbeitervierteln wie Volkmarsdorf, Plagwitz oder Lindenau. Die Situation hat sich durch die einsetzende Abwanderung nach der Wende sicher noch verschärft. Jetzt ziehen halt finanziell besser gestellte Menschen, Studenten, Familien, Akademiker auch in Stadtteile, die früher für sie nicht in Frage kamen, und verändern diese nachhaltig. Da kann ich dem Dj nur zustimmen: Wenn das Gentrifizierung ist, dann bitte künftig auch in Anger-Crottendorf, am Stannebeinplatz, in Sellerhausen oder in Leutzsch.

  • Noch mal zu den 30.000 leerstehenden Wohnungen

    Zu den 30.000 bis 34.000 leerstehenden Wohnungen hatten wir uns hier im Forum in den letzten Wochen ja schon mehrfach geäußert:



    Der marktaktive Leerstand, d.h. die Zahl der grundsätzlich vermietbaren, aber derzeit leer stehenden Wohnungen wird für den Stand Ende 2010 auf rund 21.000 Wohnungen und damit knapp 7 % des Wohnungsbestandes geschätzt. Der Gesamtleerstand in Leipzig wird für 2010 auf ca. 34.000 Wohnungen geschätzt, was einer Leerstandsquote von ca. 10,5 % entspricht. Von diesen gehören etwa 24.000 leerstehende Wohnungen zum Altbaubestand (Baujahr bis 1948), etwa 8.500 Wohnungen zum DDR-Wohnungsbau und 1.500 Wohnungen zu nach 1991 entstandenen Häusern. Im DDR-Wohnungsbau sind fast alle Leerstände marktaktiv, nur 3 % der leerstehenden Wohnungen sind wegen eines bevorstehenden Abrisses oder eines unbewohnbaren Zustandes als nicht marktrelevant einzustufen. Bei den nach 1991 entstandenen Bauten sollte man wohl davon ausgehen, dass sie nahezu alle marktaktiv sind. Zieht man nun die rund 10.000 marktaktiven Wohnungen mit einem Baujahr nach 1949 von den 21.000 marktaktiven Wohnungen insgesamt ab, erhält man eine Zahl von etwa 11.000 marktaktiven Wohnungen im Altbaubestand (Baujahr bis 1948).


    Das wären für Ende 2010 13.000 nicht marktaktive Wohnungen im Altbaubestand und bei einer Durchschnittszahl von 10 Wohnungen im Gründerzeitbestand - 20er und 30er Jahre-Häuser haben meist etwas weniger Wohnungen - 1300 Häuser. Laut dem Bericht ist auch der weitaus größte Teil des nicht marktaktiven Leerstandes (80 %) als marktfähig einzustufen und kann durch umfassende Sanierung dem Markt wieder zugeführt werden. Dies wären rund 10.000 Wohnungen (1000 Häuser), während ca. 2600 (260 Häuser) als nicht mehr sanierungsfähig eingeschätzt werden. Ob dem tatsächlich so ist möchte ich mal in Frage stellen.


    http://www.deutsches-architekt…d.php?p=331857#post331857



    Auf die Frage, ob in Leipzig Wohnungen für Leute mit geringem Einkommen fehlen, antwortete Heinig, dass in der Stadt immer noch 34000 Wohnungen leerstehen und damit auch zukünftig ausreichend Wohnungen für alle Einwohner_innen vorhanden sind. Dabei bleibt leider gänzlich unberücksichtigt, dass von diesen nur 20.000 aktuell auch vermietbar sind und eine "Reserve" von rund 10.000 Wohnungen allein für Umzüge bleiben sollte. Das sind nur noch 10.000 kurzfristig verfügbare Wohnungen plus ein noch nicht genau zu beziffernder Anteil der 14.000 Wohnungen in unsanierten, oft ruinösen, aber in den nächsten Jahren zu sanierenden Häusern.


    http://www.deutsches-architekt…d.php?p=334117#post334117


    Unter der Annahme, dass sowohl die Zahl der Zuzüge als auch die der Baufertigstellungen gleich bleibt, erwarte ich, dass spätestens in etwa vier Jahren Vollbelegung erreicht ist:
    http://www.deutsches-architekt…d.php?p=331857#post331857


    Der Immobiliendienstleister AENGEVELT Immobilien GmbH & Co. KG stellt in seinem aktuellen „City Report Region Leipzig“ ebenfalls fest, dass die Neubautätigkeit in Leipzig keineswegs ausreicht, um die beachtliche Wohnungsnachfrage in den nächsten Jahren zu befriedigen. Sie schätzen den zusätzlichen jährlichen Bedarf wird auf 3900 Wohnungen, aber es wurden in den vergangenen fünf Jahren nur durchschnittlich etwa 500 Wohneinheiten neu hinzugekommen. Bisher wurde ein Großteil der zusätzlichen Nachfrage durch leerstehende oder modernisierte Wohnungen abgedeckt, doch dieses "Entlastungangebot" werde geringer. Angesichts dieser geringen Bautätigkeit werde es spätestens in zwei bis drei Jahren knapp auf Leipzigs Wohnungsmarkt.
    http://www.deutsches-architekt…d.php?p=334112#post334112

  • Ich finde, Preisvergleiche in den Immo-Portalen herauszusuchen und diese dann auf den KdU-Satz herunterzubrechen als Argument für einsetzende Gentrifizierung wenig aussagekräftig.


    Wer hat das gemacht? Ich habe lediglich ein konkretes Beispiel gebracht für meinen nicht neuen Eindruck, dass die LWB höhere Mieten verlangt als die freie Immobilienwirtschaft. Zum Vergleich habe ich u.a. ähnlich große Wohnungen angeführt. Die LWB bietet vergleichsweise teuren, eher unattraktiven Wohnraum, die freie Wirtschaft günstigeren, vergleichsweise attraktiven Wohnraum. Das finde ich beachtlich. Man könnte glauben, die LWB ist dafür da, Wohnungen lieber gar nicht zu vermieten, anstatt sich günstig zu vermieten.


    Wogetra am Johannisplatz, echt picobello:


    http://adminv2.netcomplett.de/…/expose.aspx?ve=32&vu=151


    LWB in der Gerberstraße, spürbar Bahnhofsmilieu:


    http://www.lwb.de/lwb_wdb/deta…erstr._18/1000-06202-1089


    Edit: LE Mon. hist., wie immer: Besten Dank!

  • ^ Dass Wohnungen der LWB zum Teil teurer sind als andere auf dem freien Markt, spricht doch dafür, dass Wohnungen in Leipzig noch immer unglaublich günstig sind. Insofern ist der Leipziger Mietwohnungsmarkt (noch) nicht auf die LWB angewiesen, ich wüsste aber auch nicht, warum LWB-Wohnungen noch günstiger sein müssen oder gar dem KdU-Satz entsprechen sollten. Wenn dem so wäre, käme wohl eher eine Segregation in Gange, die sich niemand wünschen kann. Ansonsten kann ich den Strang auch in " Der Mietportalkommentier-Strang" oder in "Warum gibt es keine günstigen Wohnungen bei der LWB" umbenennen, denn mit Gentrifizierung hat das hier nichts mehr zu tun.



    @ LE Mon.hist.


    Unter der Annahme, dass sowohl die Zahl der Zuzüge als auch die der Baufertigstellungen gleich bleibt, erwarte ich, dass spätestens in etwa vier Jahren Vollbelegung erreicht ist


    Das hast du jetzt meines Wissens zum dritten Mal geschrieben. Es macht die Sache aber nicht besser, denn nicht nur die restlichen knapp 2000 unsanierten Häuser müssten wiedergenutzt werden, um die Stadt "voll" zu bekommen, sondern auch noch ungefähr 8000 Baulücken gefüllt werden. Dann gibt es noch unzählig viele Industriealtlasten, die umgenutzt werden müssten und viele ungenutzte Areale wie am Bayerischen Bahnhof oder am Lindenauer Hafen bebaut werden. Und auch dann wäre Leipzig noch weit von Münchener Verhältnissen resp. Mietspiegel entfernt.

  • Viele ostdeutsche Städte haben klar getrennte Baustrukturen.Hier die Altstadt und dort die Neubauten auf der grünen Wiese.
    Im Westen hingegen wurden viel häufiger Baulücken mit sozialem Wohnungsbau gefüllt,weswegen es auch in stark nachgefragten Vierteln noch relativ viel preiswerteren Wohnraum gibt und die soziale Durchmischung gegeben ist.


    Speziell Leipzig und Dresden aber auch Berlin erleben derzeit eine Anpassung an die national und international üblichen Immobilienpreise.Das bisherige,relativ niedrige Mietniveau von unter 5,00 € Netto kalt gleicht sich anderen,vergleichbaren Städten an. Die neidrigen Preise hatten historische und in den letzen 20 Jahren auch wirtschaftliche Gründe.


    Ich heisse Verdrängung nicht gut.Aber eines ist klar.Niedrigstmieten führen zu
    schlechten Gebäudezuständen.Die immer wieder bestaunten,schön sanierten Altbauten in Leipzig gäbe es mit 4,00 € netto kalt Mieten in dieser Menge nicht.


    Noch vor 10 Jahren drohte die Verwahrlosung von Innenstädten,es wurde von einem Armutsgürtel um die schick sanierten Zentren geschrieben.Wer neu baute,tat dies vorweigend jenseits der Stadtgrenze.
    In sofern hat die jetzige Miethausse auch ihre gute Seite.


    Ich denke,dass die ansteigenden Preise wieder mehr Leute in den Speckgürtel
    abwandern lassen.In Berlin ist dies statistisch belegt.Der Wanderungsverlust gegenüber Brandenburg ist in den letzen beiden Jahren wieder deutlich gestiegen.


  • Das hast du jetzt meines Wissens zum dritten Mal geschrieben. Es macht die Sache aber nicht besser,


    Zählst Du bitte bei Gelegenheit auch noch mal nach, wie oft hier im Thread und an anderer Stelle steht, dass Gentrifizierung in Leipzig ja gar kein Thema sein kann, weil es über 30.000 leerstehende Wohnungen gibt.



    denn nicht nur die restlichen knapp 2000 unsanierten Häuser müssten wiedergenutzt werden, um die Stadt "voll" zu bekommen, sondern auch noch ungefähr 8000 Baulücken gefüllt werden.


    Im Bauflächenreport der Stadt Leipzig von Ende 2010 wird eine Zahl von potentiell ca. 3600 Eigenheimen im Plangebiet Innere Stadt (5 km um das Zentrum) genannt, 2395 davon mit „sehr günstiger Lage“, d.h. Geschäfte, Ärzte, Nahverkehr etc. sind gut erreichbar. Insgesamt sind 161 ha frei.
    http://www.deutsches-architekt…d.php?p=283954#post283954


    Nun kann man davon ausgehen, dass da wohl nicht jede einzelne Baulücke erfaßt wurde. Mittlerweile ist auch wieder Geschoßwohnungsbau denkbar statt nur kleiner Stadthäuschen/Reihenhäuser/Eigenheime. Ich hätte gern mal eine neue Schätzung, wieviel Neubauwohnungen potentiell möglich sind und zu welchen Mietpreisen? Grundsätzlich ist Neubau deutlich teurer als Bauen im Bestand. Ist an irgendeiner Stelle sozialer Wohnungsbau vorgesehen?



    Dann gibt es noch unzählig viele Industriealtlasten, die umgenutzt werden müssten


    In Leipzig werden die potentiellen Gewerbeflächen eng, da wird sicher nicht alles in Wohnbebauung verwandelt, zumal da oft auch der Flächennutzungsplan etwas anderes sagt, z.B. in Plagwitz. In den "angesagten Vierteln" kann man die leerstehenden Industriebauten an zwei Händen abzählen. Nenne mir doch mal bitte zehn ungenutzte und noch ungeklärte Industrieareale z.B. im Westen, wo Wohnbebauung rechtlich möglich ist.


    Wie ist das Mietpreisniveau bei solchen Umnutzungen und wieviele Flächen werden überhaupt zur Miete angeboten?



    und viele ungenutzte Areale wie am Bayerischen Bahnhof oder am Lindenauer Hafen bebaut werden.


    Dort wird es Mietswohnungsbau geben und wenn ja, zu welchen Preisen?


    Areal Bayerischer Bahnhof
    http://www.deutsches-architekt…rum/showthread.php?t=9668
    Neubauten im mittleren Preissegment für 3000-4000 Bewohner, hauptsächlich im Süden
    Der Zeitrahmen für die Gesamtbebauung ist auf 10-15 Jahre angesetzt.


    Lindenauer Hafen
    laut Masterplan 27 100 m² für Stadthäuser oder Mehrfamilienhäuser. Mitte 2011 hieß es aus dem Bau-Dezernat: „Die Planung wurde optimiert und die vermarktbare Baufläche auf nunmehr rund 32 000 m² vergrößert.“
    http://www.bild.de/regional/le…nungen-19637332.bild.html
    http://expo.wirtschaftsregion-…wurf%20Stand%20081210.pdf
    http://expo.wirtschaftsregion-…er%20Hafen/Masterplan.pdf


    Und auch dann wäre Leipzig noch weit von Münchener Verhältnissen resp. Mietspiegel entfernt.


    Wie oft wurde der Vergleich schon gebracht und wie oft gefragt, wie stark sich die Durchschnittseinkommen unterscheiden?