Verkehrsprojekte

  • Welche Ideen begeistern Dich denn so? So ganz nachvollziehen kann ich das bei seinem Wahlprogramm nicht. Da ist vieles richtig, aber doch relativ belanglos und dürfte auch von jedem anderen Kandidaten so gesagt werden. Sehr konkret wird er leider bei der Ablehnung der Nachnutzung des Heizkraftwerks als Müllverbrennungsanlage, die ich wirtschaftlich und ökologisch für eine sehr gute Idee halte.


    Ein paar Sachen lassen mich stark daran zweifeln, dass Fassmann als Oberbürgermeister die richtige Wahl ist:


    - Passend zum Thema des Forums frage ich mich vor allem, was er als Besitzer von dutzenden Immobilien zur Stadtentwicklung beigetragen hat. Bis auf wenige Ausnahmen ist mir dort keine Entwicklung bekannt. Handelt er nur als Spekulant? Oder agiert er positiv im Veborgenen? Ich weiß es einfach nicht, aber das würde mich schon sehr interessieren.


    - Wer bei einer Bundeswehrwerbung auf einer CVAG-Straßenbahn von der Waffen-SS schwafelt, ist mir äußerst suspekt.


    - Ähnlich geht es mir, wenn jemand gegen die Videoüberwachung in der Innenstadt polemisiert, aber dann bei einem Einbruch in eine seiner Immobilien widerrechtlich eine Privataufnahme im Internet veröffentlicht. Solche Diskrepanzen zwischen Worten und Tun sollte es bei Politikern nicht geben.

  • Er scheint wohl vernünftige Ansichten bzgl. der Stadtentwicklung zu haben, ein wichtiger Punkt dabei ist dass überhaupt endlich mal die Brachflächen und alten Industriebauten bei der Entwicklung von Gewerbegebieten genutzt werden und nicht jedes mal plumb auf der grünen Wiese gebaut wird. Auch auf die weitere Innenstadtentwicklung legt er Wert, ihm erscheint es zu wenig, dass jetzt nach der Kaufhof-Rettung kaum noch über weitere "Konzepte" für das Gebäude und das Umfeld diskutiert wird. Mich begeistert, dass er mit Ideen zum nachdenken und diskutieren über die Stadt anregt. Zum Beispiel lese ich jetzt von ihm, dass er Elektrobusse für die CVAG will. Warum habe ich das vorher von keinem anderen gehört?


    Und bisher war mein Stand, dass er initiiert hat, dass alte verfallene Häuser auf dem Sonnenberg wieder belebt oder saniert wurden. Wem da was gehört, ist mir dabei gerade nicht so wichtig ;) Er hat es bestimmt nicht gemacht, weil ihm Chemnitz so "egal" ist, gerade zur damaligen Zeit als für den Sonnenberg/Zietenstraße vieles "hoffnungslos" erschien..


    Zu den von Dir genannten Beispielen fehlen mir genaue Hintergründe und Zusammenhänge. Was die genauen Ansichten von Herrn Fassmann bzgl. des Heizkraftwerks/Müllverbrennungsanlage sind, wäre interessant..

  • Elektrobusse wurden schon 2019 von den Stadtratsfraktionen von SPD und Grünen gefordert (Beschlussantrag), als exklusive neue Idee von Herrn Fassmann kann man das also bestimmt nicht verbuchen. Das wurde damals mit einer Stadratsmehrheit abgelehnt, daran wäre bis zu einer neuen Abstimmung auch ein neuer Bürgermeister gebunden. Da die E-Busse noch doppelt so teuer wie moderne Dieselbusse sind, Zusatzinvestitionen in die Ladeinfrastruktur erfordern und auch technisch noch nicht ganz ausgereift sind (Reichweite, Lebensdauer der Akkus), muss man hier auch nicht unbedingt an der Spitze der Bewegung stehen. Es werden eh nicht jedes Jahr neue Busse in Größenordnungen angeschafft, so dass man in ein paar Jahren dann von gesunkenen Kosten und technischen Entwicklungen profitieren kann.

  • Zu den "liegengebliebenen" Projekten: Die beiden genannten Straßenbauprojekte können ruhig weiterhin liegen bleiben. Die Anbindung des Südrings an die Kalkstraße ist verkehrstechnisch sinnlos und würde zudem den letzten Rest zerstören, der vom alten Schönauer Dorfkern noch übrig ist, nachdem hier in den letzten Jahren ohne nachzudenken bereits nahezu alle vor- und frühindustriellen Zeugnisse des ehemaligen Dorfes niedergerissen worden sind.


    Der Innenstadtring kann nicht auf urban verträgliche Weise fertiggestellt werden. Wo soll der denn entlangführen? Über die Rembrandtstraße? Dann müsste man im gesamten Straßenverlauf den durchsanierten Altbaubestand auf der linken Straßenseite abreißen. Oder im Hinterhof der Wohnriegel an der Hans-Sachs-Straße, die gerade saniert werden? Oder soll Platz durch eine teilweise Deckelung der Bahnlinie geschaffen werden? das ist doch alles Mist. Hatte der Stadtrat den Lückenschluss zum Dresdner Platz nicht schon beerdigt?


    Zu Herrn Faßmann: Ich denke schon, dass Herr Faßmann eine Bereicherung und ein Pulstreiber für die Chemnitzer Stadtentwicklung ist. Ohne ihn stünde der Sonnenberg jetzt nicht dort, wo er steht. Die Bar Lokomov, der Club Nikola Tesla und auch das Komplex-Theater würden ohne ihn nicht existieren, ebenso der neue Späti. Nichtsdestotrotz hat er klar artikuliert, dass sein Ziel Gentrifizierung ist und der jetztige Zustand seiner Projekte nur als Zwischenstufe zu betrachten ist. Wohin die Reise geht, zeigt ja schon das ehemalige Europa-Kino in der Hainstraße, das von Herrn Faßmann erworben, notgesichert und dann an die Isi Home verkauft wurde, die es momentan saniert. Also ja: Selbstlos handelt er nicht.


    Ich glaube gehört zu haben, dass er als Bürgermeister die Umsetzung des ehemaligen Speer-Plans forcieren wollen würde, d.h. Abbruch der Plattenbauten am Schillerplatz und an der Mühlenstraße, was ich sehr begrüßen würde.

  • Auch wenn ich die Idee von Herrn Faßmann zur Ringstraße definitiv ablehne, finde ich sein Wahlprogramm - gerade im Vergleich zu Frau Patt und Herrn Schulze - durchaus ansprechend. Im Gegensatz zu den beiden anderen genannten Kandidaten widmet er ein Kapitel seines Programms der Stadtentwicklung - was ihn wiederum für unser Forum interessant macht. Das fehlt bei der Konkurrenz zum Großteil. Es wird zwar hier und da mal angesprochen - Schulz spricht sich bspw. in einem Unterpunkt für den Rückbau nicht mehr wirtschaftlich nutzbarer Gebäude aus (was ich einen großen Fehler finde und uns zurück in die frühen 2000er Jahre werfen würde > mithilfe von Städtebau-Fördermitteln können unrentierliche Kosten gefördert werden > aus meiner Sicht eine ganz gefährliche Aussage für gefährdete Baudenkmale der Stadt Chemnitz!! Frau Patt schweigt diesbezüglich vollkommen) - konkrete Vorschläge zum Thema Stadtentwicklung liefern aber die beiden Kandidaten der CDU und SPD nicht. Die Wahlprogramme der anderen Kandidaten habe ich mir dahingehend noch nicht weiter angeschaut - auch weil die laut aktueller Prognose der Freien Presse wohl eher chancenlos sind: https://www.freiepresse.de/nac…tz-noetig-artikel11070736


    Zu seinen Objekten am Sonnenberg: Herr Fassmann hat - damals als die gesamte Zietenstraße durch die GGG zurückgebaut werden sollte - hier wichtige Schlüsselobjekte gekauft, um den Komplettabriss der straßenbegleitenden Bebauung zu verhindern bzw. zu erschweren. Alleine aus diesem Grund hat er meinen höchsten Respekt. Er hat an einer damals super schlechten Lage bei stagnierender Bevölkerung Privatkapital aus rein städtebaulichen Beweggründen investiert. Hut ab! Was genau seine langfristigen Pläne mit den Gebäuden sind, weiß ich nicht. Die aktuellen Zwischennutzungsprojekte bereichern aber die Chemnitzer Kunst- und Kulturszene enorm - oben wurden schon ein paar Nutzungen angesprochen. Und ein gewisser Grad an Gentrifizierung kann dem Sonnenberg auch gut tun und ihn vom schlechten Image und der Ödnis in Bezug auf Einzelhandel ein bisschen zu befreien. Die Leerstandsquote ist in der Stadt noch immer zu hoch, als das man selbst bei höheren Mieten hier von einer Verdrängung sprechen könnte. Und: Gentrifizierung bringt halt auch Kaufkraft... Dass ein Investor - und das ist er im Grunde ja - natürlich mit dem Kauf von Gebäuden auch wirtschaftliche Interessen verfolgt ist logisch und für die Stadtentwicklung notwendig. Diesbezüglich kann man ihm keinen Vorwurf machen.

  • Versteh mich nicht falsch. Ich mache Herrn Faßmann keinen Vorwurf; ich schätze ihn sehr. Ich denke aber nicht, dass er selbstlos und nur wegen des Stadtbilds tätig wurde. Er hat einfach Weitblick und erkannte früh das Potential der Stadt Chemnitz als drittgrößter Stadt im Osten (abgesehen von Berlin) mit flächendeckendem Altbaubestand. Sein Engagement wird sich rentieren.

  • Für die Verlagerung des Busbahnhofes sollen jetzt schon Mittel nachgeschossen werden, weil die erwarteten Kosten von 8,5 Mio. Euro auf 11 Mio. Euro gestiegen sind (Beschlussvorlage). Die halbe Million für den Umbau des denkmalgeschützten Wasserturms ist da noch nicht mal enthalten. Was kostet die Welt? Die Gelder dafür werden unter anderem aus der wirklich wichtigen Maßnahme der Verlängerung der Einfädelspur des Neefeparks abgezogen, die frühestens 2023 wieder angeschaut wird. Die Stadratssitzung am 23.09. müsste ich mir fast mal anschauen. Ob das da so einfach durchgewunken wird?

  • Endlich sind Lage und Gestaltung des geplanten Busbahnhofes am Hauptbahnhof bekannt (Freie Presse mit Bezahlschranke). Die Kernpunkte daraus sind für mich folgende:

    • Der Busbahnhof soll doch direkt auf dem Bahnhofsvorplatz entstehen, was meines Erachtens noch nicht so ganz klar war. Zur Erinnerung: Dieser war erst vor weniger als 20 Jahren komplett neu gestaltet worden, für wie viele Millionen habe ich nicht gefunden.
    • In dem FP-Artikel sieht man ohne Bezahlschranke einen Entwurf für die Überdachung, der jeden Gestaltungsanspruch vermissen lässt. Warum überlegt man nicht wenigstens, das denkmalgeschätzte Pylonendach des jetzigen Busbahnhofs zu verwenden, das sonst ohne denkbare Nutzung dem Untergang geweiht ist?
    • Eine Ein- oder Aussteigemöglichkeit in ein Auto vor dem Bahnhof existiert dann zukünftig auch nicht mehr - so eine Zufahrt gilt heute zwar wahrscheinlich als unzeitgemäßer Umweltfrevel, wird aktuell aber von den realen Nutzern des Bahnverkehrs reichlich in Anspruch genommen.

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    Quelle: Freie Presse / Stadt Chemnitz

  • Vielleicht kann man solche Projekte auch erstmal in der Schublade lassen..


    ..für mich wäre es ein typisches Beispiel für eine Bürgerumfrage: Ob die Bürger diese Umverlegung des Busbahnhofs überhaupt wollen? (was nicht wirklich so aussieht)

  • Heute wenden wir uns wieder dem Chemnitzer Bahnbogen zu, genauer gesagt der Brückenbaustelle an der Augustusburger Straße. Die Bahnlinie überspannt hier nacheinander die Uferstraße (im Vordergrund), die Straßenbahnlinie nach Gablenz und schließlich die Augustusburger Straße. Die Bausituation entspricht derjenigen am Südbahnhof: Das linke Gleis befindet sich im Bau, das rechte Gleis ist noch im Altbauzustand erhalten.


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    Der Mittelpfeiler wird originalgetreu wiederhergestellt werden. Der Betonkern des neuen Pfeilers ist linksseitig bereits fertig und wartet auf die Verkleidung mit originalem Steinmaterial. Am alten Pfeiler ist die Durchnummerierung der zu bergenden Steine für den späteren Wiedereinbau zu erkennen.


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    Die filigranen Metallpfeiler der alten Brücke werden leider durch klobige breite Betonpfeiler ersetzt - zu erkennen im Hintergrund hinter dem blauen Bagger. Zumindest sieht es so aus, als ob auch diese mit Naturstein verkleidet werden würden.


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    Zum Abschluss: neues und altes südliches Widerlager der Brücke


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  • Für die Verlagerung des Busbahnhofes sollen jetzt schon Mittel nachgeschossen werden, weil die erwarteten Kosten von 8,5 Mio. Euro auf 11 Mio. Euro gestiegen sind (Beschlussvorlage). Die halbe Million für den Umbau des denkmalgeschützten Wasserturms ist da noch nicht mal enthalten. Was kostet die Welt?

    Der Beschlussvorlage kann man auch entnehmen, dass mehr als 6 Mio der knapp 11 Mio Euro Gesamtkosten Fördermittel sind. Diese sind höchstwahrscheinlich zweckgebunden und pfutsch, wenn nicht neugebaut wird.

    ..für mich wäre es ein typisches Beispiel für eine Bürgerumfrage: Ob die Bürger diese Umverlegung des Busbahnhofs überhaupt wollen? (was nicht wirklich so aussieht)

    Dafür wählen wir ja unsere Vertreter - um den Willen der Bewohner auszudrücken. Von Volksbefragungen nach Schweizer Vorbild halte ich nicht viel. Jeder Bewohner kann seinen Mandatsträger diesbezüglich anschrieben/ ansprechen.

    Woher kommt denn die Info, dass die Bürger den Busbahnhof nicht wollen? Ich bin auch Bürger und möchte ihn. Es macht keinen Sinn vor unserer neuen, wunderschönen und 53 Mio Euro teuren Bibliothek einen derart großen Busbahnhof zu erhalten - städtebaulich nicht und denkmalpflegerisch auch nicht.

    • Der Busbahnhof soll doch direkt auf dem Bahnhofsvorplatz entstehen, was meines Erachtens noch nicht so ganz klar war. Zur Erinnerung: Dieser war erst vor weniger als 20 Jahren komplett neu gestaltet worden, für wie viele Millionen habe ich nicht gefunden.
    • In dem FP-Artikel sieht man ohne Bezahlschranke einen Entwurf für die Überdachung, der jeden Gestaltungsanspruch vermissen lässt.

    Da die Zweckbindungsfristen für die Umgestaltung des Vorplatzes abgelaufen sind (meist 10 bis 15 Jahre) ist das ganze auch förderunschädlich. Und innerhalb von 20 Jahren ändern sich nun mal viele Rahmenbedingungen, die eine Neubewertung nun notwendig machen. Der Platz ist schön gestaltet - er gefällt mir - besitzt aber keinerlei Funktionen. Er ist kein Treffpunkt und dient auch keiner sonstigen Nutzung.


    Was die Abbildung angeht - das würde ich nicht als Entwurf sondern eher als Skizze bezeichnen. Ob und welchen Gestaltungsanspruch der neue Busbahnhof besitzt, kann man dieser Abbildung nicht entnehmen. 😉

  • Danke für die Bilder von der Augustusburger Straße. Diese lassen erkennen, dass man dort nicht einfach eine neue 0815-Betonbrücke hinklotzt, sondern sich wie auch am Südbahnhof recht weitgehend an der bisherigen Brücke orientiert. Die Bögen sind schon betoniert und werden sich nach der ebenfalls offensichtlichen Verkleidung doch recht nah an den jetzigen Zustand anlehnen. Das hätte ich so nicht erwartet und dürfte vermutlich auf den Einfluss der Denkmalschutzbehörde zurückgehen. Es wird sehr spannend, welchen Eindruck das Bauwerk am Ende machen wird. Nicht dass noch jemand auf die Idee kommt, das man auch andere Neubauten von Ingenieurbauwerken ein bisschen ansprechend gestalten könnte...


    Zum Busbahnhof: Auch Fördermittel sind Steuergelder und sollten sinnvoll eingesetzt werden. Von Volksbefragungen halte ich aber auch nichts und wollte auch nicht den bisherigen Bahnhofsvorplatz als großen Wurf darstellen. Es ist nur etwas bezeichnend für die heutige Baukunst und ihre Architekturwettbewerbe, dass niemand auch nur ansatzweise ein Problem darin sieht, sich dieses damals wahrscheinlich in den höchsten Tönen gelobten Wettbewerbssiegers kurz nach Ablauf der Fördermittelbindung zu entledigen.

  • Die neue Visualisierung des Busbahnhofs ist hoffentlich als Platzhalter gedacht. Ich hatte mehr auf Folgendes gehofft:

    https://www.freiepresse.de/che…-aussehen-artikel10351255

    Eigentlich bin ich ein Freund des neuen Standorts. Die Verknüpfung des ÖPNV ist auf diese Art einfach besser. Mehr als einmal musste ich Leuten auf dem Bahnhofsvorplatz erklären wo denn nun genau der Busbahnhof zu finden wäre. Gut - es gibt sicher schlimmeres und vordringlicheres, aber gut fand ich den aktuellen Standort des Busbahnhofs noch nie. Dieser rückt zudem der neuen Universitätsbibliothek ganz schön auf die Pelle und wirkt inzwischen ziemlich provinziell - sicherlich eine rein ästhetische Frage; auch da gibt es bestimmt vordringlicheres. Ausdrücklich ausnehmen von meiner Kritik möchte ich den Klapperbrunnen und den eleganten DDR-Bau mit seinen Pylonen - beide sollten unbedingt am Ort erhalten werden.

    Der Bahnhofsvorplatz war schon Zeit seiner Einweihung recht unbeliebt - die Kommentare in der FP waren vernichtend - nicht nur wegen der Steinödnis, sondern auch wegen der horrenden Kosten, denen ein gewisses Geschmäckle anhaftete.

  • Zum Busbahnhof: Auch Fördermittel sind Steuergelder und sollten sinnvoll eingesetzt werden. Von Volksbefragungen halte ich aber auch nichts und wollte auch nicht den bisherigen Bahnhofsvorplatz als großen Wurf darstellen. Es ist nur etwas bezeichnend für die heutige Baukunst und ihre Architekturwettbewerbe, dass niemand auch nur ansatzweise ein Problem darin sieht, sich dieses damals wahrscheinlich in den höchsten Tönen gelobten Wettbewerbssiegers kurz nach Ablauf der Fördermittelbindung zu entledigen.

    Natürlich, da bin ich ganz bei dir. Mit Steuergeldern muss verantwortungsvoll und nachhaltig umgegangen werden und ich stimme zu, dass Vorhaben natürlich immer genau geprüft werden müssen. Ich sehe hier aber die Sinnhaftigkeit aufgrund sich geänderter Rahmenbedingungen gegeben. Aus Mobilitätsgründen - dem Chemnitzer Modell - ist das Heranrücken an den Bahnhof und die zukünftige Nähe zum Fernbusterminal an der DD Straße sinnvoll, das Umsteigenden von der Schiene in den Bus wird effizienter und gerade auch für alte und mobilitätseingeschränkte Menschen aufgrund der kürzeren Distanz einfacher. Auch dass die Busse zukünftig aus der StraNa herausgehalten werden könne, sehe ich als großen Vorteil.


    Was den Platz angeht - ich bin mir ziemlich sicher dass man den in den nächsten Jahre - auch aufgrund geänderter Rahmenbedingungen - hätte wieder anfassen müssen. Es existiert keine Barrierefreiheit, was für das Umfeld eines Bahnhofs mittlerweile notwendig ist, war vor 20 Jahren noch optional. Auch bezüglich des Klimawandels bietet die Platzgestaltung keine Lösung. Ich arbeite viel mit Kleinstädten in der Umgebung zusammen - und überall werden Platz- und Straßenraumgestaltungen, die bereits in den 90ern angefasst und mit vielen Fördermitteln gestaltet wurden, den oben genannten aktuellen Rahmenbedingungen angepasst...

    Die neue Visualisierung des Busbahnhofs ist hoffentlich als Platzhalter gedacht. Ich hatte mehr auf Folgendes gehofft:

    https://www.freiepresse.de/che…-aussehen-artikel10351255

    Da die Stadt Chemnitz mit der von dir verlinkten Visualisierung wirbt, gehe ich auch von etwas ähnlichem aus. Würde mir auch gut gefallen...

    Der Bahnhofsvorplatz war schon Zeit seiner Einweihung recht unbeliebt - die Kommentare in der FP waren vernichtend - nicht nur wegen der Steinödnis, sondern auch wegen der horrenden Kosten, denen ein gewisses Geschmäckle anhaftete.

    Kannst du dazu mehr erzählen. Das ist für mich neu, klingt aber spannend ;) Generell gefällt mir der Platz persönlich sehr gut - ich mag diese kahlen Steinplätze eigentlich sehr gerne... Sie entsprechen halt nu nicht mehr den Anforderungen an unsere Städte...

  • Leider habe ich jetzt auf die Schnelle zur causa Bahnhofsvorplatz keinen verlinkbaren Artikel gefunden. Wenn ich mich recht erinnere, hatte das verwendete Steinmaterial im Vergleich zu anderen, gleichwertigen Anbietern einen stark überhöhten Preis - man hatte sozusagen den teuersten Anbieter gewählt. Die Stadt kam in Erklärungsnot.


    Sooo schlecht finde ich die Gestaltung des aktuellen Bahnhofsvorplatzes übrigens nicht, finde die Idee des Busbahnhofs an dieser Stelle aber grundsätzlich gut. Den bisherigen Busbahnhof kann man zum Park umgestalten und somit den Schillerpark erweitern. In Verbindung mit der Bibliothek, dem TU-Hauptgebäude und studentischem Wohnen am Brühl könnte hier ein neuer Campus entstehen. Im Sommer können die Studenten auf Decken auf den Wiesen lümmeln, quatschen und lernen. Der trennende Zaun und die unschönen Hecken zur Karl-Liebknecht-Straße samt der Hundewiese sollten dann auch verschwinden.

  • Ich finde den Ansatz, Busbahnhof und Hauptbahnhof zusammenzulegen auch nicht verkehrt. Nur geistert eben immer noch Hinterkopf, dass eben BEIDE Busbahnhof und Bahnhofsvorplatz vor gerade mal ca. 20 Jahren (teilweise noch "überteuert") (um-)gebaut und modernisiert wurden. Leider kam man nicht schon damals darauf, BEIDES zusammenzulegen, damit ein attraktiver "ÖPNV-Umsteigeknoten" entstehen kann. Da frag ich mich schon ob man jetzt auf Teufel komm raus überstürzt wieder irgendwas hinbauen muss oder es nicht noch 10 Jahre warten kann bis die "Investitionen" in Busbahnhof und Vorplatz von damals sich gerechnet haben und dann vielleicht ohnehin langsam "Alterserscheinungen" ersichtlich werden, die dann Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen schon eher rechtfertigen würden. Denn wie lguenth so schön sagte: "was kostet die Welt", ein bisschen überlegt und nicht verschwenderisch mit Geld, Möglichkeiten und Ressourcen umzugehen ist prinzipiell nie verkehrt. Bis dahin könnte man ja auch noch an Details für den neuen Vorplatz feilen. Zum Beispiel frage ich mich, ob es denn immer so viele "Bahnsteige" für den Busbahnhof sein müssen oder ob nicht auch weniger geht; außerdem kann man ja auch noch die Zufahrt für PKWs bis vor zum Bahnhofseingang wieder mit einplanen..

  • Dafür wählen wir ja unsere Vertreter - um den Willen der Bewohner auszudrücken. Von Volksbefragungen nach Schweizer Vorbild halte ich nicht viel. Jeder Bewohner kann seinen Mandatsträger diesbezüglich anschrieben/ ansprechen.

    Woher kommt denn die Info, dass die Bürger den Busbahnhof nicht wollen? Ich bin auch Bürger und möchte ihn. Es macht keinen Sinn vor unserer neuen, wunderschönen und 53 Mio Euro teuren Bibliothek einen derart großen Busbahnhof zu erhalten - städtebaulich nicht und denkmalpflegerisch auch nicht.

    Bei "Bürgerumfrage" denke ich eigentlich eher an "unverbindliche" Umfragen von Bürgern, die an der Stadtentwicklung interessiert sind zum Beispiel eben auf der offiziellen Internetseite der Stadt http://www.chemnitz.de. Dafür wäre auch ein permanenter und aktuell gehaltener offizieller Umfragebereich auf der Internetseite nicht schlecht, wo die Bürger nach Ihren Vorstellungen zur Stadtentwicklung befragt werden können. Ich denke solche Umfragen sollten für Politiker und verantwortliche Entscheider eine Orientierungshilfe dafür sein, was sich die am Thema interessierten Bürger wünschen und bei den Entscheidungen helfen - letztlich kann man getroffene Entscheidungen dann mitunter auch besser rechtfertigen, wenn der Wille vieler Bürger berücksichtigt wurde. Leute, die ohnehin nicht an den Themen interessiert, brauchen bei den Umfrage auch nicht teilnehmen und verzerren damit auch die Umfrageergebnisse nicht..

  • Die Sanierung der "Bazillenröhre" schreitet voran. Die Abdecksteine und die oberen Schichten der Stützmauer wurden abgetragen; offensichtlich war hier alles locker. Die Steine wurden durchnummeriert, um später wieder an der richtigen Stelle eingebaut zu werden.


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