Altenburg (Thüringen): Abriss, Neubau, Umbau

  • Teichstraße 5 tut schon weh. Eine Gebäude aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg, weg. Und es ist trotz jahrzehntelangem Verfalls alles andere als ruinös. Diese bauliche Qualität wird wohl nie wieder erreicht werden. Naja, nach einem Atomkrieg vielleicht...

  • Ich wollte mal noch das Bauvorhaben im Johannisgraben ergänzen. Der Chemnitzer Verein New Generation will dort ein Jugendzentrum einrichten, dazu wird ein jahrelang leerstehendes Gebäude saniert. Dieses befindet sich im Johannisgraben 3a. Allerdings sehe ich da keine Bauarbeiten, sondern im Johannisgraben 7(?). Hab auch ein Bild davon ...

  • Kulturlos!

    Liebe Forumsteilnehmer,


    ich habe von Architektur zwar überhaupt keine Ahnung, möchte mir aber mal Luft machen über das, was in ABG getrieben wird.


    Ich war heute Morgen wieder in der Teichstrasse und es ist entsetzlich, mit welcher Rücksichtslosigkeit dort wertvolle Bausubstanz sinnlos zerkloppt wird.


    Was Jahrhunderte überdauert hat, weder von den Nazis noch den alliierten Bomben noch den Russen und noch nicht einmal von sozialistischer Planwirtschaft kaputt gemacht werden konnte, wird einfach niedergewalzt. Eine absolute Sauerei!


    Altenburg mag seine Probleme haben, aber das ist keine Entschuldigung für diesen Abrißwahn. Sowas ist einfach nur kulturlos und ich kann mich nur wieder wundern, was auch in dieser Zeit für inkompetente Leute in verantwortlichen Positionen sitzen, die diese Zerstörungen zu verantworten haben.


    Schlimm: Die Bürger (=Wähler) halten still...


    Wohl wird viel Neues gebaut, alles gut und schön. Aber der Verlust einer großen Geschichte die Altenburg hatte, kann dadurch nicht mehr aufgewogen werden. Altenburg wird ärmer und ärmer und ärmer und...



    Meine Meinung...

  • Altenburg (Thüringen): Städtebauliche Veränderungen

    In der Moritzstrasse 14 wurde gestern Richtfest gefeiert.
    Auf dem Dach oben rechts, sieht man den Richtkranz.




    In der Schmöllnschen Strasse 26/27 wurde der Lückenschluss (rechts neben den gelben Gebäude) nun gestrichen.
    Es wurde bewusst diese Farbe ausgewählt.




    Der Teichstrassen-Abriss aus zwei anderen Winkeln.
    Einmal die Rückansicht vom Restgebäude Nummer 8.



    Und eine Komplettansicht.
    Nur mal so nebenbei, alles was im Vordergrund freies Gelände ist, war früher einmal bebaut.
    Die Häuser Nummer 2,3,4 und 5 standen einmal hier. Nummer 7 und 8 werden zur Zeit abgerissen.
    Auch die Nummer 6, 9 und 10 stehen nicht mehr.
    Die Altenburger Wohnungsgenossenschaft wollte nach dem Abriss die Häuser 4-7 wieder neu errichten.
    Zum aktuellen Planungsstand kann ich aber nichts sagen.




    P.S.: Ich erstelle zur Zeit eine neue Homepage.
    Altenburg.Doku. wird in Zukunft die Städtebaulichen Veränderungen in Altenburg zeigen.
    Sie ist unter der Adresse http://www.altenburg-doku.de.tl zu erreichen.

  • Ich muss doch Altenburg etwas in Schutz nehmen. Ich habe ja schon geschrieben, dass ich die Abrisse von Baudenkmälern sehr bedauerlich finde. Es wäre aber auch ungerecht, jetzt in eine Art "Altenburg-Bashing" zu verfallen.


    Altenburg hat einfach das Problem, dass es über einen für die Größe der Stadt (ca. 34000 Einwohner) extrem großen Bestand an baukulturell wertvollen Gebäuden verfügt. Altenburg war ja bis 1918 die Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Altenburg und wurde daher entsprechend repräsentativ ausgestattet. Zudem wurde Altenburg im 2. Weltkrieg nicht zerstört. Es gibt ein Schloss, den Marstall, die Orangerie, das Teehaus, weiterhin das Theater, das Lindenau-Museum, das Naturkundemuseum Mauritianum, das Logenhaus, das Komödienhaus, das Ernestinum und das Josephinum. Zudem gibt es zahlreiche repräsentative Verwaltungs- und Gerichtsbauten, wie die Neue Regierung, das jetzige Landratsamt, das Kanzleigebäude am Brühl, das Amtsgericht, das Criminal-Gericht, die herzogliche Landesbank. Und zu alledem gibt es viele wertvolle Adelspaläste und Bürgerhäuser.


    Die Stadt Altenburg, die ja nur über eine relativ schwache wirtschaftliche und finanzielle Basis verfügt, ist überhaupt nicht in der Lage, diesen überwältigenden baukulturellen Schatz instandzuhalten und zu sanieren. Allein die Sanierung des Schlosses verschlingt Jahr für Jahr Unsummen. Die Sanierung der Orangerie war ein Kraftakt ohnegleichen. Daher liegt man falsch, wenn man der Stadtverwaltung Kulturlosigkeit vorwirft. Das einzige, was man der Stadtverwaltung vielleicht vorwerfen könnte, ist, dass sie nicht laut genug auf ihre Probleme aufmerksam macht. Für mich ist jedenfalls klar, dass die Erhaltung der Bausubstanz in Altenburg eine nationale Aufgabe ist. Vielleicht könnte der Bund eine Stiftung für den Denkmalschutz einrichten, die mit der privaten Deutschen Stiftung Denkmalschutz kooperieren könnte. Unter solch einem Dach, vielleicht sogar unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten, könnte wirkungsvoll um Spender geworben werden.

  • @ Meerane70: Es wird auch nicht Rücksichtslos alles abgerissen. Auch gibt es ... (Mod: Zitat gekürzt. Für den gesamten Text das blaue Quadrat anklicken.)



    "Es wird auch nicht Rücksichtslos alles abgerissen. Auch gibt es in Altenburg keinen Abrisswahn. Nur weil in den letzten Jahren nicht so viel gemacht worden ist."


    - Das denke ich aber schon! Freilich ist viel gemacht worden, aber es wurde eben auch viel abgerissen, meines Erachtens zuviel. Man darf ja nicht vergessen, dass mit jedem einzelnen Gebäude ein Stück Geschichte verloren geht. Und sicher tut es auch niemandem weh, wenn ein Neubaublock verschwindet.
    Werden aber Häuser abgerissen, die teils mehrere Jahrhunderte überdauert haben, dann kann das nach meiner Auffassung immer nur die absolute Ultima Ratio sein, sprich, wenn die Häuser bereits am Einstürzen sind.
    Aber da verschwindet heute viel zu vieles was noch nicht so weit verfallen war, so dass man es getrost der Nachwelt hätte überlassen können, über die Zukunft dieser Schätze zu entscheiden.






    "Warum sollen sie nicht "still" sein? Es ist doch alles in Ordnung in Altenburg.
    Im übrigen habe ich den aktuellen Oberbürgermeister auch mit gewählt."


    - Als Auswärtiger habe ich absolut nicht den Eindruck, dass in ABG "alles in Ordnung" ist. Ich komme in der hiesigen Region sehr viel herum und habe den vergleich mit anderen Städten aus erster Hand.


    Die Stadt hat, das steht wie gesagt außer Frage, sich sehr zum Guten in den letzten 22 Jahren verändert. Es ist aber auch nicht zu übersehen, dass dieser Ort mit Problemen konfrontiert ist, die in dieser Region so konzentriert nirgends auftreten.


    Da sind die augenfälligen sozialen Probleme Altenburgs, die wesentlich stärker wahrnehmbar sind als in vergleichbaren Städten dieser Region. Oder die katastrophale demographische Entwicklung in Form einer regelrechten Einwohner-Evasion. Auch wird man "Dreckecken" in Vielzahl finden, die man in anderen Orten vergeblich suchen wird.


    Es sei nur mal an die unsanierten Blöcke ganz oben im Neubaugebiet Nord erinnert. Anfang diesen Jahres habe ich mehrere von innen gesehen und war fassungslos! So etwas habe ich nirgends sonst bis heute erleben müssen. Die Zustände in den Hausfluren sind unerträglich: Alles ist kaputt, beschmiert, verfallen. Selbst in unsanierten Abbruchblocks in Gera beispielsweise herrschten zivilisiertere Zustände. Aber das da oben geht überhaupt nicht mehr an und ist, sofern dort Leute unfreiwillig leben müssen, mit der Menschenwürde nicht mehr vereinbar - insbesondere für die dort lebenden Kinder.


    Es ist klar, dass in einer sterbenden Stadt, und Altenburg ist nicht anders zu bezeichnen, solche Probleme kaum zu bewältigen sind, selbst auf sehr lange Sicht nicht.






    "Wenn man mit offenen Augen durch Altenburg geht und es mit früher vergleicht, sieht man was in den letzten 22 Jahren alles saniert worden ist. (egal ob Stadt, Wohnungsgesellschaften oder durch Privatpersonen)
    Da kann man nur Stolz darauf sein, was sich in dieser Stadt alles ändert."


    -Das ist gar keine Frage! Auch nicht, dass Altenburg ein Kleinod ist, das seinesgleichen in der Region sucht. Aber sollte man auch nicht vergessen, welches enorme Potential diese Stadt zur Wende hatte (wer in Westsachsen/Ostthüringen war da schon so gesegnet?), aber die Frage drängt sich mir schon auf, ob da nicht auch sehr viele Chancen leichtfertig vertan wurden.


    Insofern wundere ich mich über den Ausgang der Wahl (die ich sehr aufmerksam mitverfolgt habe), nicht zuletzt deshalb, weil man in der Altenburger Bevölkerung recht viel an Unzufriedenheit wahrnehmen kann. Aber nachdem bereits 99,9% die "Genossen und Genossinnen der SED" gewählt haben, obwohl alle unzufrieden waren, wundert mich mittlerweile gar nichts mehr!

  • Keine Sorge, in ein Altenburg-Bashing verfällt hier gewiß niemand! Im Gegenteil, wir sind uns hier ja einig über den Wert der Bausubstanz, die Historie oder die kulturellen Güter.


    Natürlich ist das richtig was du schreibst, sowas ist eben auch eine Last. Aber ich meine dennoch, dass man behutsamer mit seinen Werten umgehen sollte, als dies in der Vergangenheit bisweilen der Fall war (was keineswegs nur ein Altenburger Problem) ist.


    Ein Kernproblem liegt natürlich im drastischen Bevölkerungsrückgang und auch hier muss man fragen, wie es soweit kommen konnte. Denn - theoretisch - müßte Altenburg eine sehr hohe Lebensqualität zu bieten haben, dennoch habe ich in der Vergangenheit oft das Gefühl gehabt, dass die Stimmung in ABG von einem gehörigen Maß an Frust geprägt ist. Woran das liegt, weiß ich allerdings auch nicht...

  • Mein Problem ist, dass für mich nicht der Eindruck entsteht, dass man sich hier schwer getan hat, so wertvolle Bausubstanz zu beseitigen. Und dass man zudem ganz klar sehen kann, dass viele der vermeintlich ruinösen Bauten beim Abbruch weit entfernt davon sind, ruinös zu sein. Jeder, der sich auch nur im Geringsten mit historischen Bautechniken auskennt, weiß, dass solche Gebäude eine fast unbegrenzte Lebensdauer haben, solange sie einigermaßen gegen Feuchtigkeit, vor allem von oben geschützt sind.


    Wären die statisch wichtigen Teile, nämlich der Dachstuhl und die Geschossdecken, schon stark angegriffen, wäre etwa Teichstraße 7 schon nach dem Wegreißen einer Gebäudekante in sich zusammengefallen. Auf den Abrissfotos sehe ich ein Gebäude, das in seinem Widerstand gegenüber dem Abrissbagger einem modernen Stahlbetonbau in wenig nachsteht. Da kommt man dann eben schon ins Grübeln.


    Abrisse sind unvermeidbar, das ist denke ich jedem klar. Aber sie sollten, wie schon angesprochen, erst dann erfolgen, wenn eine Gefahr für die Bevölkerung besteht. Ansonsten sollte man bis zuletzt die Option zur Sanierung offen lassen, denn, und dafür herrscht immer noch kein Bewußtsein, ein jedes historisches Haus ist wie eine mittelalterliche Handschrift, die man ins Feuer wirft, ein Unikat, das unersetzlich für immer vernichtet wird.


    Aber es ist natürlich auch typisch deutsch, alles schön sauber abzuräumen, jetzt ist „endlich“ die ganze Straßenseite frei für den üblichen gedämmten Mist, der spätestens in 30 Jahren wieder reif für den Abriss ist.

  • Vielleicht mal etwas Soziologisches:
    Altenburg hat es wahrscheinlich versäumt rechtzeitig nach der Wende Gewerbegebiete auszuweisen. Ich weiß, dass das erste in Nobitz entstand, es folgten Oberlödla und Windischleuba - wohlgemerkt alle mehr oder weniger mit Einzelhandel, das schwächte die Stadt, deswegen jetzt auch die bereits zweijährige Diskussion zur Ansiedlung des Modeparkes Röther im GG Nordost (ABG). Trotzdem hat sich in der Stadt eine Art Einkaufskultur erhalten, die man in Meerane, Glauchau und eigentlich auch Crimmitschau vermisst ...
    Trotzdem hat das die Stadt geschwächt, z.B. ist expert Jäger vor ein paar Jahren auch ins GG Nordost umgezogen, der erst in der Innenstadt war, somit wird in der Stadt weniger auch von Gewerbetreibenden investiert und der Einzelhandel in den Umlandgemeinden bewirkt, dass weniger Leute auf der Stadtgebiet einkaufen also Geld in den Haushalt der Anrainerkommunen fließt - de facto weniger Geld für ABG.
    Der größte Arbeitgeber in ABG ist der öffentlich Dienst, ich glaube so ca 400 das LRA und ca 300 Stadtverwaltung, danach kommt lange nichts ... mit je 160 Mitarbeitern Südost Fleisch, Fräger Antriebstechnik und ASS Altenburger. Alle anderen Firmen haben unter 100 Mitarbeiter (und die sind auch nicht zahlreich), es gab (gibt) also für gut ausgebildete kaum Chancen hier Arbeit zu finden (die Thüringer sind wahrscheinlich die Pendlernation schlechthin und ABG führt sie an). Langsam brauchen die Firmen wieder Leute, aber die Jungen sind weg und kommen nicht wieder. Hinzukommt das die die noch da sind (so ungefähr meine Generation) wenig für Jugendliche zu bieten bekommt, gut Music Hall (obwohl da häufig Heavy Metal gespielt wird), Kino, ein paar coole Kneipen, obwohl ich gehört hab das eine auch bald wieder zu macht. Die Discos sind alle außerhalb z.B. in Kotteritz (Dorf 3 km sö der Innenstadt), Schmölln (10 sw) oder halt Leipzig (50 km) und da fahren auch die meisten Altenburger zum Einkaufen hin (wieder schlecht für die Gewerbesteuer). Es gab mal eine geile Location, das Kanonenhaus, es ist allerdings 2008 abgefackelt und nicht wieder irgendwo aufgemacht worden.


    Nun zum Gebäudebestand: Der Bürgermeister von Gößnitz hat es mal passend gesagt (sinngemäß): die Besucher unserer Stadt sollen einen positiven Eindruck haben, also bitte liebe Einwohner, saniert eure Häuser oder reißt sie ab!
    Genauso verhält es sich überall - und ich will jetzt nicht ausschweifend von Meerane anfangen, deren baukulturelles Erbe in hübschen recht großen Fabriken des 19. Jhd bestand, die letzte wurde es vor 2 Wochen plattgemacht. Und die letzte schöne Ecke am Teichplatz ist jetzt mit dem "Höhlermuseum" verschandelt.
    Naja wie dem auch sei, die Sache ist ja die, dass dort abgerissen wird wo Verkehr ist und in der Teichstraße ist das der gesamte Verkehr aus dem Süden, weitere betroffene innerstädtische Straßen sind Wallstraße, Burgstraße/Johannisstraße, vor allem auch Puschkinstraße und Luxemburg/Gabelentzstraße. Wer will an einer Hauptverkehrsader wohnen? Heute habe ich da erst mehrere Paradebeispiele gesehen, die Haupstraße schlechthin führt direkt über den Markt und zwar in Tetschen-Bodenbach, Bad Schandau und Gößnitz. Außerdem hör ich immerwieder von Leuten, die auf der Achse Leipzig-Zwickau verkehren, dass sie lieber durch die Innenstadt fahren als auf der Ortsumgehung. Geht mir auch so, aber weil ich nur ein Motorrad habe und die OU reizlos zum Überholen ist.
    Ach ja und noch so ein Zitat: Jede Generation soll sich verewigen und hat damit die Legitimation Neues zu bauen (finde ich in einer Innenstadt wie ABG zwar unpassend, aber das denken halt viele)


    Gut vielm Text, hoffe es hilft weiter und liebe Grüße an alle Mitdiskutierer und Mitleser.

  • Abrisse sind unvermeidbar, das ist denke ich jedem klar. Aber sie sollten, wie schon angesprochen, erst dann erfolgen, wenn eine Gefahr für die Bevölkerung besteht. Ansonsten sollte man bis zuletzt die Option zur Sanierung offen lassen, denn, und dafür herrscht immer noch kein Bewußtsein, ein jedes historisches Haus ist wie eine mittelalterliche Handschrift, die man ins Feuer wirft, ein Unikat, das unersetzlich für immer vernichtet wird.


    Wunderschön formuliert! Genau das ist meine Meinung: Einfach stehen lassen, die künftigen Generationen können/sollen selber sehen, was sie mit diesem faszinierenden Kulturerbe anfangen...

  • aber die Jungen sind weg und kommen nicht wieder.


    Ich denke, dass das das Schlimmste ist, was Altenburg passieren konnte...


    Hinzukommt das die die noch da sind (so ungefähr meine Generation) wenig für Jugendliche zu bieten bekommt, gut Music Hall (obwohl da häufig Heavy Metal gespielt wird), Kino, ein paar coole Kneipen, obwohl ich gehört hab das eine auch bald wieder zu macht.


    Ich finde, dass gerade hier eine Stärke Altenburgs liegt, es gibt viele interessante Angebote. Das Schloß, die Museen, der Inselzoo, viele Gaststätten, Behörden, mehrere Kirchen, den einzigartigen Friedhof, Parks usw. Na und welche Stadt dieser Größenordnung kann schon ein so renommiertes Theater sein Eigen nennen?
    Für eine Stadt dieser Größe ist Altenburg in diesen Dingen bestens ausgestattet. Die Einwohnerflucht muss demzufolge andere Ursachen haben...


    Der Bürgermeister von Gößnitz hat es mal passend gesagt (sinngemäß): die Besucher unserer Stadt sollen einen positiven Eindruck haben, also bitte liebe Einwohner, saniert eure Häuser oder reißt sie ab!


    Wenn man das nur auf neue, wertlose Gebäude bezieht, dann hat er sicher Recht. Niemandem tut der Abriß eines 80 Jahre alten Hauses weh. Aber bei den oft jahrhundertealten Gebäuden in ABG sieht das sicher anders aus. Da ist der Abriß die schlechteste aller Lösungen. Altenburg ist nicht faszinierend, weil es so schön saniert ist, sondern gerade auf Grund der alten und einzigartigen Bausubstanz.


    und ich will jetzt nicht ausschweifend von Meerane anfangen, deren baukulturelles Erbe in hübschen recht großen Fabriken des 19. Jhd bestand, die letzte wurde es vor 2 Wochen plattgemacht. Und die letzte schöne Ecke am Teichplatz ist jetzt mit dem "Höhlermuseum" verschandelt.


    Oh je... Wem sagen Sie das?!
    Die ALWO übrigens steht noch, der Abriß geht nur schleppend voran. Aber auch hier muss man sich wundern, mit was für propagandistischem Eifer der Bevölkerung erzählt wird, das Gebäude sei ruinös und nicht zu retten.
    Ich war im September drin und von einem ruinösen Zustand kann keine Rede sein. Wohl ist der Spinnereisaal hinüber, das Hauptgebäude präsentierte sich aber in verblüffend gutem Zustand.
    Ich habe viele Industriebrachen von innen gesehen, auch welche, die weitaus desolater waren. Die ALWO würde ich als mittelmäßig erhalten bezeichnen, so dass ich auch hier fragen muss, ob dieser Abriß wirklich nötig ist. Ich denke nicht!


  • Ich finde, dass gerade hier eine Stärke Altenburgs liegt, es gibt viele interessante Angebote. Das Schloß, die Museen, der Inselzoo, viele Gaststätten, Behörden, mehrere Kirchen, den einzigartigen Friedhof, Parks usw. Na und welche Stadt dieser Größenordnung kann schon ein so renommiertes Theater sein Eigen nennen?
    Für eine Stadt dieser Größe ist Altenburg in diesen Dingen bestens ausgestattet. Die Einwohnerflucht muss demzufolge andere Ursachen haben...


    Nein, das ist ja das Problem, das ist alles Hochkultur und nichts für junge Leute, die nachts etwas erleben wollen (ich weiß nicht wann ich das letzte mal nachts auf dem Friedhof war xD). Das wird alles viel zu hoch subventioniert, aber wieso keine Disco staatlich fördern? Also mehr als einmal aller drei Monate kann ich mir keine Theaterkarte leisten, das ist einfach nicht drin, wohingegen man dafür schon 2 bis 3 mal ins Kino gehen kann.



    Niemandem tut der Abriß eines 80 Jahre alten Hauses weh.


    Bei Eigenheimen die in den 40er Jahren entstanden vlt, aber viele mögen Bauhausarchitektur, die auch in ABG zu finden ist und ich trauere auch etwas dem Meeraner Bahnhof nach, der aus der Nazizeit stammte.


    Ich war mal gut ein Jahr nicht in der Meeraner Innenstadt, weiß gar nicht mehr wann das war, ich glaube aber schon ein paar Jährchen her und ich hab mich verfahren weil ich mich sonst an den Fabriken orientiert habe, das muss bei der Achterbahn gewesen sein ...
    Gerade bei Fabriken muss man die Leute wirklich sensibilisieren, weil die gerade zum historischen Industriegebiet Südwestsachsen dazugehören. Vor kurzem gab es im Textilmuseum Crimmitschau eine Ausstellung zu Industriearchitektur in Sachsen, die zwar umfangsmäßig hinter meinen Erwartungen zurückblieb, aber wo man ein paar gute Beispiele zum Erhalt gesehen hat, gerade in Leipzig sind einige zu Wohnhäusern umgebaut worden.


    Nachtrag: Ach ja, vielleicht findet ihr hier ja auch mal was Schönes:


    http://de.wikipedia.org/wiki/B…nkm%C3%A4ler_in_Altenburg

  • Solche Fabriken werden aber auch nahezu ausschließlich in Leipzig im großen Stil umgenutzt. In Chemnitz noch mit Abstrichen und in Zwickau dann kaum noch. Von den kleineren Städten a la Glauchau, Crimmitschau, Gößnitz, Meerane und Werdau mal ganz abgesehen. In Werdau steht mittlerweile keine einzige Fabrik mehr der man das noch ansieht. Einmal wurde die halbe Fassade stehen gelassen das wars. Allein in den letzten 10 Jahren sind 3 Stück aus dem Zentrum verschwunden. Im benachbarten Fraureuth die letzte vor 2 Jahren. In den anderen Städten ist es nicht viel anders. Das Textilmuseum selbst steht ja auch kurz vor der Schließung bzw. soll beschnitten werden.

  • Altenburg (Thüringen): Städtebauliche Veränderungen

    Teichstrasse 5,7,8:


    Der Bauschutt wird abtransportiert.




    Moritzstrasse 24:


    Die Dachunterkonstruktion ist steht.



    Und die Fenster wurden eingebaut.