Museumsinsel und Erweiterungsbauten (James-Simon-Galerie)

  • Ich persönlich hätte auch gerne die Fassaden und auch die Kolonnaden komplett rekonstruiert gesehen, einfach weil die Architektur Stülers auch auf Harmonie und Symetrie basiert, und die ist hier nicht zu erkennen weil der wiederaufgebaute „nackte“ Teil erheblich vom Original abweicht, allein die beiden unterschiedlichen Kuppeln. Und die rohen Decken der Kolonnaden ohne den Rosettenschmuck... ich sah da keinen Mehrwert, die Unterkonstruktion der Gewölbe blank zu lassen...


    Im Inneren wiederum gefällt mir die moderne Ergänzung. Ich glaube dass eine vollumfängliche Rekonstruktion der Innenräume für heutige Empfindungen zu intensiv farbig, dunkel und etwas überladen gewirkt hätte.


    Ich liebe es aber andererseits unter der blau/gelben Decke im ägyptischen Saal zu stehen und mich daran erinnern kann, die Original Tempeldecke in Ägypten gesehen zu haben.


    Was mir auch gefällt, ist dass sich die Ästhetik der JSG nun ins Neue Museum fortsetzt und so nicht nur Außen sondern auch im Inneren eine weitere Verbindung schafft!

  • @Architektator: Doch, denn schon beim Treppenhaus wären wir auseinander.


    Ich muss das frühere Treppenhaus nicht wiederhaben, zwar würde der frühere Zustand sicherlich mächtig Eindruck machen, allerdings würde er einen auch irgendwie "erschlagen". Dem nüchternem Eindruck der Sichtbetontreppe und der Steinsichtigkeit der Wände kann ich durchaus was abgewinnen.


    Weniger mein Fall ist dagegen, dass man die Säulen auf den Treppenabsätzen so verbrannt und beschädigt gelassen hat oder die spärlichen Reste der früheren Fresken wieder an die Wand gepappt hat. Dass das Museum stark durch den Krieg zerstört wurde weiß ich auch so, dies muss man mir nicht nochmal extra vor Augen führen. Selbiges gilt dann auch für die restlichen Räume. Da stört sich halt mein ästhetisches Empfinden. Allerdings hab ich dies ja auch nicht täglich vor Augen, insofern bereitet es mir sicher keine schlaflosen Nächte.;)

  • ^ Ich bin da, wie gesagt, gar nicht dogmatisch. Das historische Treppenhaus in seiner überladenen Form wäre sicher beeindruckend gewesen, aber auch die kühle, klare Chipperfield-Gestaltung gefällt mir gut.


    Da es ja jetzt erst möglich ist, bin ich heute zum ersten Mal rund um den Bau herumgelaufen. Gerade aus der Nähe finde ich den Wechsel aus alten und neuen Kolonnaden, zwischen restaurierter und verletzter Originalfassade, zwischen Backstein und Putz beeindruckend. Auch die aus der Ferne etwas blass wirkende neue Backsteinfassade macht aus der Nähe einen plastischen und wertigen Eindruck.


    Nun bin ich gespannt, wie der Durchgang zwischen JSG, Neuem und Pergamon-Museum wirken wird, wenn das Pergamon-Museum von seiner Rußschicht befreit und das Pflaster fertig gestaltet ist. Ich glaube, das wird toll. Der Hof zwischen JSG und Neuem Museum gefällt mir jedenfalls jetzt schon ausgezeichnet.

  • Der Welt-Beitrag hakt aber in einigen Punkten: So ist der Weiterbau der Kölner Doms überhaupt nicht vergleichbar, genausowenig die Sichtweise damals zur Zeit der 1. Eröffnung.


    Das originale Museum war ein Kind seiner Zeit, allein die heute wichtige Provenienzforschung würde doch schon eine ganz andere Präsentation verlangen.


    Auch im Detail sind Fehler vorhanden. So gab es keine Stahldachbinder im Treppenhaus mehr und auch kein Glasdach im Ägyptischen Hof, welche Chipperfield zum Opfer gefallen wären, wie auf diesem Foto unschwer zu erkennen ist.


    Das Foto zeigt aber auch, dass doch einiges der Außenfassade rekostruiert wurde.


    Mir persönlich gefällt die Raumwirkung des modernen Treppenhauses und auch die Raumfolge und Wirkung der Ausstellungssräume. Die Abfolge von historischen Räumen mit unterschiedlichen Erhaltungsgraden und modernen Räumen hat seinen Reiz.


    Ich bin noch auf diese Fotos vom Treppenhaus gestoßen, die den Originalzustand, den zerstörten Zustand und die heutige Form zeigen.

  • Ich persönlich hätte auch gerne [...] die Kolonnaden komplett rekonstruiert gesehen


    Die Kolonnaden sind doch sowohl restauriert als auch rekonstruiert worden, in weiten Teilen schon von DDR-Restauratoren.


    Anbei noch ein paar Eindrücke bei Dunkelheit:





    Bilder © HarrySeidler

  • ^^ Deine Formulierungen (.......) sollten von Dir genauer belegt/begründet oder zurückgenommen werden, wenn Du nicht in den Verdacht der üblen Nachrede geraten möchtest.


    Wenn das Deine Auffassung einer Ermutigen der Debatte im DAF ist dann Prost Mahlzeit. Bei der ersten beste etwas provokantere These gleich mit solchen juristischen Termini loszulegen, zeugt von wenig Sinn für Humor.


    Es ist der gleichen Sinn für Humor den ich bei den Institutionen des öffentlichen Bauens kennengelernt habe, wenn weniger prominente Fachkollegen betroffen sind.


    Wobei nicht gesagt ist, dass die JSG hinter den Kulissen nicht auch noch eine juristische „Aufarbeitung“ bekommen wird.

  • Die Kolonnaden sind doch sowohl restauriert als auch rekonstruiert worden, in weiten Teilen schon von DDR-Restauratoren.


    Ja, die Gesamtanlage wurde schon rekonstruiert aber nicht die Decken inclusive der Rosetten, Teilstücke der Decken zeigen ja den rohen Unterbau und mir erschließt sich der Mehrwert für den Betrachter hier einfach nicht, das wäre so ähnlich als hätte man die gemauerten Flächen an den Schlossfassaden unverputzt gelassen damit auch jeder verifizieren kann, dass da Ziegel und nicht Styropor drunter ist.


    Wohingegen ich die rohen Ziegelwände im Treppenaufgang des Neuen Museums wiederum sehr mag. Dort erinnern mich die rohen Ziegel an die Ziegelsteinarchitekur der ersten Hochkulturen die auf der Museumsinsel präsentiert werden.


    Danke übrigens für die tollen Impressionen in der Dämmerung :)


    Alles in Allem ein wunderschönes Fleckchen Berlin und ich liebe die entspannte Stimmung nach Schließung der Museen wenn es im
    Innenhof ruhig wird.

  • ^^ Zuerst unterstellst Du öffentlich eine gravierende Verschwendung bei Chipperfield und Staat, wenn man Dich dann bittet, diese rufschädigenden Vorwürfe zu belegen oder zu begründen, hat man in Deinen Augen "kein Humor", man hätte Dich also offensichtlich nicht ernst nehmen sollen, um dann am Ende wieder von justiziablen Sachverhalten zu raunen, natürlich wieder ohne Belege. Aber vermutlich war auch das wieder "Humor". Wenn Du willst, dass man Deine Beiträge ernst nimmt, ist das jedenfalls nicht die klügste Strategie.

  • Bekanntes Muster

    ^^ Zuerst unterstellst Du öffentlich eine gravierende Verschwendung bei Chipperfield und Staat, wenn man Dich dann bittet, diese rufschädigenden Vorwürfe zu belegen oder zu begründen, hat man in Deinen Augen "kein Humor", man hätte Dich also offensichtlich nicht ernst nehmen sollen, um dann am Ende wieder von justiziablen Sachverhalten zu raunen, natürlich wieder ohne Belege. Aber vermutlich war auch das wieder "Humor". Wenn Du willst, dass man Deine Beiträge ernst nimmt, ist das jedenfalls nicht die klügste Strategie.


    Kennen wir doch alles aus den bekannten politischen neuen Rechten - gleiches Muster - erst wird gelogen, gehezt, aufgeregt und echauffiert das sich die Balken biegen, aber wenn es um Fakten geht - steh plötzlich nichts mehr da ausser dummen Phrasen - null substan!


    Leider scheinen das viele aka legitim anzusehen. Katastrophale Verblödung die man erleben muss - ich möchte deutlich sagen das es nicht um den Beitragschreibenden geht - sondern das mir das hier im Forum parallelen sieht wie unsere Diskussionskultur aussieht.

  • Kennen wir doch alles aus den bekannten politischen neuen Rechten - gleiches Muster - erst wird gelogen, gehezt, aufgeregt und echauffiert das sich die Balken biegen, aber wenn es um Fakten geht - steh plötzlich nichts mehr da ausser dummen Phrasen - null substan!


    Leute, nun haltet mal den Ball etwas flacher. Es geht hier um Architektur, nicht um die Fortsetzung des Straßenkampfs mit rhetorischen Mitteln.

  • Danke für die Bilder, HarrySeidler.


    Wie die ersten beiden Bilder zeigen, ist einer der (meiner Meinung nach: wenigen) Schwachpunkte der JSG die völlig verbaute Perspektive aus der Dorotheenstraße, die bisher auf den Quergiebel des Neuen Museums zulief.


    Trotz dieser Einschränkung: Ein insgesamt gelungener Bau.

  • Einige Bilder (alle von mir) von meinem heutigen Besuch:



    Aufstieg:





    Der 'Balkon':







    Blick in die Umgebung:











    Ehemaliger Auslass des Berliner Festungsgrabens, der westlich der Stadt verlief:





    Plan 1804 mit Festungsgraben:








    Blick durch die Pfeiler:





    Das Material mit Marmorstückchen:





    Die Treppe zum Kupfergraben:







    Katakombe zwischen der JSG und dem Pergamonmuseum:





    Innenräume:



    Der Löwe von Gaul im Eingangsbereich (aus dem Mossepalais am Leipziger Platz 15):





    Vor einer der Kassen bildetetn sich heute mittags eine lange Schlange, den Leuten war nicht bewusst, dass es noch meinen zweiten Kassenbereich gibt:





    Treppenabgang zum EG:







    Blick zur Ostfassade des Pergamonmuseums:





    Einer der Pfähle, die früher die Museumsinsel stützten:












    Raum für Ausstellungen, heute zum Leben und Wirken des Namensgebers James Simon, Auf 4 Leinwänden dargestellt und gesprochen von Katharina Thalbach:





    Sitzgelegenheit im Hof zwischen JSG und Neuem Museum:





  • Architektur - da passt alles

    Also ich finde das Ergebnis heraussragend gut. Das ist morderne Architektur die sich aufgrund Ihres Pursimus - also die dezente Bauweise - unheimlich gut einfügt - gerade auch in Verbindung mit den verwendeten Baumeratialien die bestehenden Alt-Bauten aufwertet - dabei aber selbst einen enstprechenden Stellenwert bekommt.


    Das ist aufgrund der vorhandenen Altbaustruktur wunderbar realisiert worden. Großes Kompliment an diese Ergänzung zur Museumsinsel - hier ist moderne Architektur intelligent integriert worden.


    Was man noch nicht geschafft hat, aus meiner Sicht, ist eine moderne Architekturstil zu kreieren, der ohne Altbauten trotzdem warm und menschlich wirkt ohne eine Atmosphäre von Industrie-Gebieten zu schaffen.


    Katastrophales Gegenbeispiel ist die Umgebung um den HbF - der HbF hatte damals als Solitär eine tolle Wirkung - mit den Funktionsbauten drumherum verliert er an Wirkung und wirkt gerade zu abweisend und die Bauten drum herum gerade zu billig.


    Off topic bitte dort weiterführen.
    Bato

  • Auch ich finde das Ergebnis herausragend. Hier einige Bilder von heute.




    Hier ein Bild von der großen Außentreppe (mit leichter Panorama-Funktion). Der Bau schafft eine Bedeutsamkeit, wie ich sie sonst nur aus klassischen Bauten kenne. Ich denke, dass diese Treppe mit ihrer schönen Sicht und der außergewöhnlichen Intensität gute Chancen hat, zu einem der begehrtesten Aufenthaltsorte und Treffpunkte in Berlin Mitte zu werden.



    Alle Bilder von mir.

  • Hier und da ganz nett und schöne Blicke schaffend. Sichtbeton aber ist und bleibt ein abstoßendes und m.E. menschenfeindliches Material. Von daher ist mir die Galerie gerade im Innern ein Graus. Sieht (trotz der enormen Kosten) ärmlich und unfertig aus.

  • Laut Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Sichtbeton) handelt es sich bei Sichtbeton um Beton, der nicht verputzt wird. Dann müsste der weiße Beton mit Marmorstücken auch Sichtbeton sein, oder? Genauso wie der graue Beton im Inneren Sichtbeton ist?


    Das wäre für mich insofern erstaunlich, weil beide Arten von Beton (der graue innen und der weiße außen) völlig unterschiedliche Wirkungen haben.

  • ^ Naja, technisch betrachtet vielleicht schon. Ist aber irreführend, weil man bei Sichtbeton an das denkt, was eben innen zu sehen ist. Das Fassadenmaterial hat aber eine ganz andere Anmutung. Sieht anders aus, fühlt sich anders an, usw.


    Sichtbeton ist überhaupt ein ziemlich vielfältiges Material. Man kann es färben wie beim neuen Suhrkamp-Haus, oder man kann es in rauhe Holzverschalungen gießen, so dass es am Ende aussieht wie versteinerte Bretter mit Maserung, Astlöchern, etc. Auch die glatte Variante – wie im Innern der JSG – kann edel wirken. Es kommt auf die Verarbeitung an. "Menschenfeindlich" ist jedenfalls etwas anderes.

  • Wenn Saxonia von "menschenfeindlich" spricht, dann wohl deswegen, weil dieser graue Sichtbeton ein bisschen wie Kampfstern Galactica aussieht. Ganz ähnliche Wirkungen gibt es ja auch beim Erweiterungsbau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses.